Familie ist ein Begriff, der allen vertraut ist, doch soziologisch betrachtet lässt er sich auf vielfältige Weise definieren und analysieren. In der Familiensoziologie nehmen wir unterschiedliche Perspektiven ein: Als gesellschaftliches Teilsystem richtet sich der Blick auf strukturelle Veränderungen wie sinkende Geburtenraten, wachsende Kinderlosigkeit, vielfältige Partnerschaftsformen, den Wandel von Geschlechterrollen sowie die Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aus individueller Perspektive wird Familie als Ort der sozialen Interaktion verstanden – ein Raum, in dem Sozialisation stattfindet, generationenübergreifende Beziehungen gestaltet werden und Unterstützung in unterschiedlichen Lebensphasen gegeben wird.
Dabei zeigt sich: Familie ist längst nicht mehr nur an einen gemeinsamen Haushalt gebunden. Technologische, soziale und demografische Entwicklungen, insbesondere die gestiegene Lebenserwartung, haben die Familienformen in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Heute entstehen zunehmend Mehrgenerationenfamilien, gleichzeitig werden Haushalte kleiner und Familienmitglieder leben oft nicht mehr in unmittelbarer Nähe zueinander. In urbanen Kontexten übernehmen enge Freundschaften inzwischen teilweise Funktionen, die früher der Familie vorbehalten waren. Familie ist somit zu einem komplexen und dynamischen Netzwerk geworden, das über den engeren Familienkreis hinausreicht.
Um diese Vielfalt und die sozialen Verflechtungen besser zu erfassen, nutzen wir die Netzwerkanalyse. Diese geht davon aus, dass Individuen in soziale Beziehungen eingebunden sind die ihr Handeln beeinflussen. Untersucht wird dabei nicht allein die Person selbst, sondern vor allem, wie sie in soziale Strukturen eingebettet ist und welche Handlungsspielräume sich daraus ergeben. Gerade die Verbindung von Familiensoziologie und Netzwerkforschung eröffnet dabei ein tiefgehendes Verständnis für die Komplexität moderner Familienformen.
Unser Lehrangebot vermittelt diese Inhalte in verschiedenen Formaten – etwa in Vorlesungen, Seminaren, Kolloquien und Projektseminaren. Die Grundlagen der Netzwerkanalyse werden im Rahmen einer einwöchigen Springschool speziell für Masterstudierende und Promovierende vertieft. Darüber hinaus stehen die Mitarbeitenden unseres Arbeitsbereichs gerne für die Betreuung von Abschlussarbeiten zur Verfügung.
Arbeiten auf Wolke 7?! Der Einfluss von Cloudworking auf das Familienleben
Am 29.01.2026 stellt Omar Shehata des Arbeitsbereichs Netzwerkforschung und Familiensoziologie im Rahmen der Online-Talkreihe „Familie im Fokus“ einen Ausschnitt aus seiner aktuellen Forschung vor.
| Veranstaltungsinformationen |
29. Januar 2026 | 14 – 15 Uhr
Arbeiten auf Wolke 7?! Der Einfluss von Cloudworking auf das Familienleben
Omar Shehata, M.A.
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Wie managen Cloudworker ihre Work-Life-Balance? Bei der Arbeitsform des Cloudworkings besteht die Möglichkeit, dass die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmt und auch im Bereich der Familie birgt sie Besonderheiten, die die Herstellungsleistung betreffen. Die New-Work-Bewegung, welche beinhaltet, dass kapitalistische Lohnarbeit überholt sei und Arbeit so transformiert werden müsse, dass sie frei und selbstbestimmt für Beschäftigte ist, bildet dabei die Ausgangslage der Überlegungen.

Am 28. Mai 2025 verlieh der Präsident der JGU, Prof. Dr. Georg Krausch, auf Vorschlag des FB 02 und mit Zustimmung des Senats der JGU Dr. Heiko Rüger die Urkunde zur Bezeichnung „Außerplanmäßiger Professor“.
Das Institut für Soziologie gratuliert ihm ganz herzlich!